Die Zukunft braucht neue Spielregeln


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Wir sind an einem Punkt der technologischen Entwicklung angelangt, an dem sich einiges fundamental verändern und beschleunigen wird. Viele sind der Meinung, dass die „4. Industrielle Revolution“ geschicktes Marketing von Unternehmen ist, die mit neuen Produkten und Dienstleistungen Profit machen wollen. Obwohl das wohl zutrifft, stehen wir jedoch im Moment nicht erst am Anfang einer möglichen industriellen Revolution, wir sind vielmehr schon mittendrin.

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Industrielle Revolutionen sind geprägt von tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen, die durch neue Technologien ausgelöst werden. Wir leben in Zeiten, in denen Professoren der Volkswirtschaft seit der Wirtschaftskrise 2008 ihren Studenten vermitteln, dass die Lehrbuchmeinung nicht mehr zutrifft, in Zeiten, in denen traditionelle Parteien z.T. in der Bedeutungslosigkeit untergehen und in Zeiten, in denen zumindest ein Viertel aller derzeitigen Arbeitsplätze durch Technologien wie dem Internet der Dinge gefährdet sind.

Aus heutiger Sicht sind es zumindest drei Technologien, die die Zukunft maßgeblich beeinflussen werden:

Dezentrale Netzwerke wie Blockchain und Tangle sind eine Technologie, die das Potenzial hat, die bisherigen Geschäftsmodelle der mächtigsten Branchen - der Bank- und Finanzbranche, aber auch z. B. die Energiebranche - obsolet zu machen. Spätestens wenn man Vorstände von großen Energieversorgern sagen hört, sie wollen die „Blockchain-Disruption“ ihrer eigenen Unternehmen lieber selber in die Hand nehmen, damit sie in 10 Jahren vielleicht noch existieren, sollte man beginnen sich Gedanken über die Zukunft zu machen.

Durch das Internet der Dinge (IoT) wird heute schon in Testfabriken mit einem Viertel weniger Mitarbeitern um 30% mehr Output geliefert. Viele Arbeitsplätze werden obsolet. Hier stehen wir erst am Anfang. Naturgemäß wird es neue Jobs geben - jedoch gänzlich andere als bisher.

Die bedeutsamere Entwicklung ist jedoch, dass durch IoT Algorithmen anstatt Menschen Entscheidungen für Menschen treffen werden. Wir geben unsere Entscheidungshoheit aus der Hand.

Beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) sind die Meinungen noch gespalten, ob sie erst 2050 oder schon 2020 die Menschliche überholen wird. Wesentlich ist hier zu verstehen, dass KI von heute bedeutet, dass sie selber die eigenen Algorithmen optimiert, d.h. lernt - eigenständig und unabhängig von der Einflussnahme von Menschen.

Was vor 20 Jahren noch als Science-Fiction galt, ist heute schon Teil der Realität.

Die tatsächlichen Folgen dieser drei technologischen Entwicklungen sind aus heutiger Sicht nur sehr schwer abzuschätzen. Wichtig ist zu erkennen, dass Technologien per se nichts Schlechtes sind - im Gegenteil: Sie werden uns die Chance bieten in Zukunft nachhaltigere Lösungen zu finden und unsere (Um)Welt vor der Zerstörung zu bewahren. Wesentlich wird sein, wie die Politik reagiert und mit welchem wirtschaftlichen Weltbild unsere Gesellschaft in Zukunft agieren wird.

Die Art wie wir Wirtschaft verstehen wird sich in den kommenden 10 Jahren zwangsläufig ändern. Das Produktionsgeschäft wird sich zunehmend auf Dienstleistungen verlagern. Neue hierarchielose Formen der Unternehmenskultur werden Einzug in Unternehmen finden. Social Entrepreneurship bzw. „Impact“ wird im Vergleich zur profitorientierten Ausrichtung an Bedeutung gewinnen.

Die sozio-politischen und sozio-ökonomischen Konzepte, die unsere Welt die letzten Jahrhunderte geprägt haben, werden aufgrund der neuen Technologien in Zukunft nicht mehr funktionieren - der Gesamtrahmen ändert sich momentan im großen Stil - die Zukunft ist wie ein neues „Spiel“. Daher brauchen wir auch neue „Spielregeln“. Einstein sagte einmal: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

All dies erscheint im ersten Augenblick abstrakt zu sein und die Frage taucht auf: „Was können wir als Individuen tatsächlich tun?“. „Survival of the fittest“ bedeutet, dass die Anpassungsfähigsten überleben werden - nicht die Stärksten. Ich möchte diesen Gedanken nochmals adaptieren und sage: Die Wandlungsfähigsten und die, die sich neu erfinden, wird die Zukunft gehören.

Wandlungsfähig bedeutet in diesem Sinne, die Quintessenz der Vergangenheit (unsere Kernkompetenzen und dem, was uns in der Essenz ausmacht) kombiniert mit dem tatsächlich vorhandenen Potenzial der Gegenwart - im „Hier und Jetzt“ - in die Zukunft zu übertragen. Ähnlich einer Raupe, die sich durch Metamorphose zum Schmetterling verwandelt. Um diesen Prozess einzuleiten, beginnt man am besten die eigenen Paradigmen, Glaubenssätze und Dogmen zu hinterfragen.

Autor


Foto Eva Kelety
Xerxes Voshmgir ist Redner und Berater für Organisationsentwicklungen.

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