Der Mensch im IoT (Internet der Dinge)


CC0 lukasbieri, Pixabay

Die Arbeitswelt der Ingenieure im Zeitalter der digitalen Evolution

Stefan Hupe hat eine brillante Keynote bei der Veranstaltung “Bildung im Zeitalter der Digitalen Transformation” gehalten. Er postulierte, daß die Digitalisierung die Art zu arbeiten, zusammenzuarbeiten, Unternehmen zu organisieren und zu führen, sich vollständig wandeln würde. Die traditionellen Hierarchien mit Chef/in-herrscht-über-Angestellte, würde es zukünftig nicht mehr geben.

Digitale Marktplätze definieren zukünftig das Arbeiten

Stattdessen bildeten sich situative, aufgaben-spezifische Ad-Hoc-Teams. Diese würden gemeinsam, unternehmensübergreifend für eine beschränkte Zeit an einer Tätigkeit zusammenarbeiten. Auch das (Projekt-)Management würde somit in der Version 4.0 ankommen: Das Ziel fände notwendige Aufgaben. Die Aufgaben fänden Werkzeuge - wie Maschinen, Roboter und Software - und passende Ingenieure, die geeignet, verfügbar und willens sind, dann diese Aufgaben zu akzeptierten Kosten, in einem definierten Zeitrahmen und mit hoher berechneter Wahrscheinlichkeiten, erfolgreich umzusetzen. Dieser Prozess fände dabei auf integrierten digitalen Marktplätzen statt.

Die Zusammenarbeit würde hierbei auf Augenhöhe stattfinden. Die Bedeutung der Aufgaben Teilnehmer würde alleine durch ihren Beitrag zur Umsetzung definiert werden. Statussymbole und akademische Grade würden an Bedeutung verlieren. Das Du-Wort wäre normal. Ein permanenter Wandel des Menschen und der Teams werden die Regel. Das Expertentum als wesentliche Fähigkeit der Ingenieurinnen und Ingenieure hätte ausgedient.

So weit die Zukunft!

Aber welche Fähigkeiten werden in diesem Szenario dann gefragt sein?

Das Internet der Dinge und die allgegenwärtige Digitalisierung der Gesellschaft gehen bereits jetzt schon Hand in Hand: IoT liefert einen wichtigen Beitrag zur digitalen Vernetzung der Gesellschaft. Umgekehrt verlangt das Internet der Dinge aber auch nach einer Vernetzung der eigenen Ingenieure aus den unterschiedlichen Fachbereichen - kein Mensch kann mehr alleine im stillen Kämmerlein IoT-Devices erfinden.

Für die Bewältigung dieser Komplexität und Interdisziplinarität werden zukünftig folgende vier Bereiche für Ingenieure und Ingenieurinnen dann besonders wichtig:

  1. Expertentum - inklusive dem expliziten Wissen über das eigene Nicht-Wissen,
  2. Schnelles Recyceln von bereits erfundenem Wissen
  3. (Auf-)Finden von geeigneten Partnern
  4. Partnergerechte Kommunikation als wesentliche soziale Kompetenz

Was ist darunter jeweils zu verstehen?

Nicht-Wissen wird wichtiger

Experten bleiben weiterhin wichtig - es ist notwendig, einzelne Fachbereichen in der Tiefe zu begreifen. Zusätzlich ist erforderlich, explizit zu wissen, in welchen anderen Bereichen man selbstständig agieren kann, bzw. wo man qualifizierte fachfremde Hilfe in Anspruch nehmen sollte.

Ein Beispiel: Technischen Inhalte zu erstellen, welche auf einer Webseite marketing-gerecht veröffentlicht werden sollen. Sollte man dann zB juristische Unterstützung in Anspruch nehmen? Jeder, der sich einmal mit Mediengesetz, Impressumspflicht oder insbesondere Urheberrecht von Bildern auseinander gesetzt hat, weiß, was hier gemeint ist und welche Tücken es hierbei gibt.

Lernen, Lernen, Lernen - und recyceln

Ebenso erlangt die Fähigkeit zum eigenverantwortlichen und selbstbestimmten Wissensaufbau große Bedeutung. Eine Ingenieurin oder ein Ingenieur wird zukünftig vermehrt Vorarbeiten erledigen müssen, die ausserhalb des ureigensten Fachbereiches liegen.

Das benötigte Wissen wird Anlaß-bezogen aufgebaut. Möglichst viel wird dabei von den Erfahrungen anderer Personen wiederverwendet. Z.B. Youtube zeigt diesen Trend ja jetzt schon eindeutig und etablierte sich als zweitgrößte Suchmaschine - ein Ort über den sich jetzt schon viele Menschen benötigtes Wissen rasch aneignen.

Knowledge Scouting wird ein Erfolgsfaktor

Und dies führt uns zum dritten, wesentlichen Punkt - dem Auffinden von geeigneten Expertinnen und Experten, welche einem helfen, die anstehenden Herausforderungen nachhaltig und in ausreichender Qualität zu lösen.

Im Zeitalter von Xing und LinkedIn ist es wesentlich einfacher geworden sich ein eigenes persönliche Netzwerk aufzubauen. In der Zukunft werden dabei immer mehr Kontakte auch ausserhalb des Brotjobs geknüpft werden müssen. Durch unbezahlte, ehrenamtliche Mitarbeit in themenspezifischen Vereinen erweitert sich der eigene Horizont.

Und falls die persönlichen Kontakte für ein schnelles Auffinden von Expertinnen und Experten nicht ausreichen, wird auf die Vermittlung durch klar themenspezifische Plattformen zurück gegriffen. Zum Beispiel bringt die Initiative IoTJobs.at ausschließlich eben IoT-Experten mit IoT-Aufgaben zusammen.

Durch´s Reden kommen Leute zusammen

Zusätzlich zu diesen drei obigen Punkten, gewinnt die persönliche Interaktions-Fähigkeit an Relevanz - Kommunikation dient als Werkzeug zum fachlichen Austausch mit anderen Spezialisten.

Auch hier bemerken wir in unserer Vereinstätigkeit einen Bedarf zum kontinuierlichen Lernen. Auf die unterschiedlichen persönlichen Kommunikationsformen hinzuweisen und anschließend dann zum Beispiel einen Juristen aus dem Datenschutzbereich mit einer Hardware-nahen Entwicklerin zu einem für beide Seiten relevanten Thema diskutieren zu lassen kann durchaus sehr interessante Erkenntnisse liefern.

Die Zukunft ist Wandel

Jeder muß seinen persönlichen Weg finden, wie er die Zukunft gestalten möchte. Für jeden ist diese Zukunft eine andere. Aber eine Konstante gibt es dabei: an der Digitalisierung führt kein Weg mehr vorbei.

Es liegt an Dir

Bist Du neugierig geworden, was IoT Austria - The Austrian Internet of Things Network alles so macht? - Wir suchen immer gleichgesinnte, mithelfende Frauen und Männer. Informiere Dich einfach auf www.iot-austria.at.

Autor

Philpe Reinisch ist Mittagessengeher, Abenteurer, Unternehmensberater und Interims-Projektmanager. Er begleitet als Mentor die Local Group Vienna.

IoT Austria Newsfeed