Interview mit Patrick Brüst

Founder, CEO, CMO, Fast Business Hacker und Mentor bei Start-ups. Marketing und Brand Manager, Berater für Applikationen, Web-Lösungen und digitale Kommunikation. Zertifizierter Projektmanager. Erfahrungen als Vortragender u.a. Social Media Vortragsreihe.

Sein Motto: communicate your thing.

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Wo siehst Du die nächsten Trends im IoT Bereich? Und welche Bedeutung haben hierbei disruptive Technologien und digitale Transformation?

Die Digitalisierung ist in all unseren Lebensbereichen nicht mehr weg zu denken und gehört somit auch zu den wachsenden Herausforderungen für UnternehmerInnen.

Ich beobachte in den aktuellen Diskussionen zum Thema IoT in den Medien und auch auf Konferenzen wie den #taid, dass viele UnternehmerInnen denken, dass die laufende Digitalisierung schnell und turbulent ist. Dabei stelle ich mir – aber auch den TeilnehmerInnen meiner Workshops – immer wieder die Frage wie es sich dann mit der kommenden „Internet of Things“ Ära verhält, wo sich vieles durch Berührung auf einem „Smartphone“ bewegt oder wie Bill Gates einmal sagte, the „speed of thought“? Denn vermutlich wird dann die aktuelle Phase „Tortoise economy“ bezeichnet und wir sprechen dann von der „Cheetah economy“.

In der Cheetah economy und teilweise auch jetzt ist im Bereich der Geschäfsmodelle ein Trend bzw. eine kambrische Geschäftsmodell-Explosion zu beobachten und zu erwarten: „Zerbrechliche“ Geschäftsmodelle von etablierten Unternehmen werden regelmäßig „disrupted“ und auf den Kopf gestellt (siehe z.B. Taxi-Branche oder Hotellerie).

Wir müssen erkennen, dass kein Geschäftsmodell heilig oder gar unantastbar ist. Um auf die wachsenden (digitalen) Herausforderungen reagieren zu können und wenn Startups wie auch bestehende Geschäftsmodelle jetzt überleben und in der Cheetah economy – der kommenden IoT Ära – weiter wachsen wollen, braucht es praktische Geschäftsmodell-Methoden. Hierfür bieten wir mit unserem „Mind The Next Step“-Team praktische Methoden, um die Augen zu öffnen und UnternehmerInnen Anregungen für die digitale Transformation zu geben, um selbst den nächsten Schritt zu finden und zu setzen.

Ich sehe hier bewusst keine Trends in bestimmten Branchen und möchte an dieser Stelle gerne eine Aussage von Malcolm Gladwell (Unternehmensberater und Autor) zitieren: „Ideas and products and messages and behaviours spread just like viruses do.“ Der „Hush Puppies virus“ ist ein sehr schönes Beispiel aus seinem Buch „The Tipping Point“ und zeigt wie Trends entstehen können bzw. lässt nachvollziehen wie disruptive Geschäftsmodelle von „airbnb“ oder „uber“ innerhalb kurzer Zeit viele Menschen infiziert haben und traditionelle Branchen ins wanken bringen.

Was sind die größten Hindernisse bei der Umsetzung von IoT Projekten?

Unabhägig von IoT Projekten, beobachte ich auch in anderen Bereichen der digitalen Transformation, dass bei der Umsetzung der Idee viele Teilschritte übersehen werden und es bereits früh zu Hindernissen bei der Umsetzung kommt. Häufig wird die Umsetzung der Idee gestartet, erste Produktionsschritte werden getätigt. Und dann stellt sich die Frage des Marketing bzw. des Vertriebs. Fragen zur Selbsterkenntnis, zum Ziel, zur Zielgruppe – die angesprochen werden soll, um das Ziel zu erreichen – daran wurde schlichtweg nicht gedacht. Mit dem B.U.M.P. (Big Urgent Market Problem) wurde sich erst gar nicht auseinandergesetzt. Und nu?

Unser Workshop „Mind The Next Step“ ist eine Möglichkeit diesen Herausforderungen zu begegnen. Wir möchten UnternehmerInnen quasi step-by-step befähigen, die verschiedenen Hindernisse bei der Umsetzung von IoT-Projekten selbst zu meistern. Aus meiner Sicht gibt es keine „größten“ Hindernisse. Es sind meist individuelle Herausforderungen, die zu lösen sind.

Wie wichtig ist es für ein Unternehmen selbst aktive Schritte zu setzen? Kann man Verantwortung auslagern an externe Berater?

Unternehmen müssen erkennen, dass Ihr Geschäftsmodell weder heilig noch unantastbar ist. Der Visionär Karl-Heinz Land spricht aus meiner Sicht sehr treffend vom „digitalen Darwinismus“, dass wer sich nicht anpasst am Ende auf der Strecke bleibt. Es wird daher für Unternehmen sehr wichtig sein, selbst aktive Schritte zu setzen.

Die wachsende Zahl selbstständiger Wissenarbeiter oder wie sie international genannt werden, die Independent Professionales (kurz: Ipros) zeigt, dass offenbar ein Markt für externe Berater mehr denn je bereit steht.

Vereinzelt erkennen auch Unternehmen bereits, dass sie sich für eine stärker vernetzte Zukunft rüsten müssen. Hier ein Industrie-4.0-Projekt mit Anbindung ans Internet der Dinge, dort eine App. Mit internem Personal lässt sich die Aufgabenliste kaum abarbeiten. Aus Gesprächen mit Unternehmen ist auch herauszuhören, dass der Vorteil externer Berater die „Unbefangenheit“ ist. Für sie steht das Projekt im Mittelpunkt. Externe bringen neues Know-how rein, die Internen geben es weiter.

Unternehmen müssen mehr und mehr erkennen, dass Partnerschaften und Kooperationen immer wichtiger werden, weil sie nicht die Ressourcen haben, das Geschäft selbst zu stemmen. Ich würde mir wünschen, wenn mehr Unternehmen auch hierzulande das erkennen und bereit sind, sich zu öffnen. Ein aktuell funktionierendes Geschäftsmodell kann schnell ins Wanken geraten wie wir in anderen Branchen beobachten.


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